Freitag, 21. Juni 2024
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    HomeGeschlechtskrankheitenHIV/AidsLauterbach reagiert auf PrEP-Engpass in Deutschland

    Lauterbach reagiert auf PrEP-Engpass in Deutschland

    Seit Wochen machen HIV-Expert:innen in Deutschland darauf aufmerksam, dass es zu wenige Medikamente für die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) gibt, die Menschen wirksam vor einer HIV-Infektion schützt. Nun reagiert das Gesundheitsministerium.

    Wie das ZDF  berichtet, hat der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach von der SPD am Donnerstag offiziell den Engpass bei der Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil ausgerufen. Diese Kombination wird einerseits für die Behandlung von HIV-Positiven verwendet, andererseits verhindert es Medikament für die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) bei 32.000 Menschen in Deutschland eine Ansteckung mit HIV.

    Nun können auch Medikamente aus dem Ausland importiert werden

    In der Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums heißt es, das Medikament werde „zur Vorbeugung oder Behandlung einer lebensbedrohlichen Erkrankung“ eingesetzt – „eine alternative gleichwertige Arzneimitteltherapie steht nicht zur Verfügung“. Damit sind unter anderem Importe von Medikamenten mit diesen Wirkstoffen, die in Deutschland nicht zugelassen sind, aus dem Ausland möglich.

    Betroffene berichten, dass sie seit Wochen kaum Nachschub für die PrEP, die eigentlich täglich genommen werden muss, bekommen. Apotheker haben bereits angekündigt, dass sie die für die PrEP notwendigen Medikamente nun aus den Niederlanden einführen möchten – wo sie allerdings auch nicht im Überfluss vorhanden sind.

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    Ärzt:innen und Apotheker:innen fürchten, auf den höheren Kosten für die PrEP sitzenzubleiben

    Die Erklärung des Engpasses ist das Ergebnis eines Runden Tisches, zu dem Lauterbach am Donnerstag eingeladen hatte, nachdem etliche Fachgesellschaften Alarm geschlagen hatten. Mit dabei war unter anderem die Deutsche Aids-Hilfe (DAH), die die Ausrufung des Engpasses begrüßt. „Das macht erst einmal öffentlich deutlich, dass es ein großes Problem gibt“, so Holger Wicht, Pressesprecher der DAH, zum ZDF.

    Zugleich fordert die DAH vom Dachverband der Krankenkassen eine Klarstellung über die Kostenübernahme für sämtliche Präparate, auch für Importe und für das deutlich teurere Original-Präparat Truvada. Arzt:innen und Apotheker:innen haben Angst, auf den teureren Präparaten sitzenzubleiben, wenn der Versorgungsmangel beendet wurde.

    Der aktuelle Engpass endet frühestens im März

    Der aktuelle Lieferengpass hängt nach Informationen der DAH damit zusammen, dass zwei Hersteller ihre Produktion eingestellt hätten. Deshalb sind die Vorräte an dem Medikament auch in anderen Ländern knapp. Beobachter:innen gehen davon aus, dass der Engpass bei der PrEP deshalb noch mindestens bis März dieses Jahres andauern wird.

    Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zufolge sind in Deutschland derzeit etwa 500 Medikamente schwer verfügbar. Dazu zählen unter anderem auch Antidepressiva und Antibiotika.