Freitag, 21. Juni 2024
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    HomeGeschlechtskrankheitenHIV/AidsGesundheitsministerium genehmigt HIV-Heimtests

    Gesundheitsministerium genehmigt HIV-Heimtests

    Aids-Hilfe Wien begrüßt neue Testmöglichkeit - doch es gibt einiges zu beachten

    In wenigen Wochen kann man in Österreich seinen HIV-Status bequem zu Hause bestimmen: Wie die Salzburger Nachrichten berichten, hat das Gesundheitsministerium einen HIV-Heimtest bewilligt. Ab Anfang Juli soll er rezeptfrei in österreichischen Apotheken erhältlich sein. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest kann man dann innerhalb von 15 Minuten sehen, ob man HIV-positiv ist oder nicht.

    Der zugelassene HIV-Heimtest funktioniert fast so einfach wie ein Schwangerschaftstest

    Hersteller des HIV-Tests soll bisherigen Informationen zufolge das französische Unternehmen „VIH Autotest“ sein. Sie verfügen über eine CE-Zertifizierung und sind bereits seit 2015 in Großbritannien und 2016 in Frankreich erlaubt. Auch in Deutschland wird über eine Freigabe dieses Tests diskutiert. Wie teuer der Test in Österreich sein wird, steht noch nicht fest. In anderen Ländern beträgt der Preis für diesen Test etwa 30 Euro.

    Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest kann man dann innerhalb von 15 Minuten sehen, ob man HIV-positiv ist oder nicht. Dafür genügt ein kurzer Stich in den Finger – und wenn nach der Wartezeit eine rote Linie im Kontrollfeld erscheint, ist man laut Schnelltest HIV-negativ.

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    Der HIV-Heimtest ist nur in Apotheken erhältlich – Behörde warnt vor Tests aus dem Internet

    Der Zulassung war ein monatelanger Streit vorangegangen. Vor allem wurde darüber gestritten, wo man den Test erhalten soll. So wurde auch darüber diskutiert, ob der HIV-Heimtest auch in Drogeriemärkten erhältlich sein soll. Das hätte Experten zufolge die Hemmschwelle gesenkt. Nun wird der Verkauf aber auf Apotheken beschränkt. Auch der Vertrieb des Tests über das Internet wird in Österreich verboten.

    Vor nicht zertifizierten HIV-Heimtests, die über dubiose Internet-Seiten bestellt werden können, warnen das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen und AGES PharmMed. Diese „können eine HIV-Infektion nicht belegbar mit der geforderten Verlässlichkeit nachweisen oder ausschließen“, so Bundesamt und AGES bereits im August 2010. Man empfiehlt „dringend, die Medizinprodukte ‚HIV Heimtest, AIDS Schnelltest (Blut)‘ und ‚HIV Heimtest, AIDS Schnelltest (Urin)‘, nicht zu verwenden“

    Es kann bis zu zwölf Wochen nach der HIV-Infektion dauern, bis der Test den Virus erkennt

    Die Aids-Hilfe Wien (AWH) ist auch deshalb mit der Freigabe des zertifizierten HIV-Heimtests durch das Gesundheitsministerium zufrieden: „Uns freut es, dass die Tests in Österreich nun legal erhältlich sind. Es ist immer besser, etwas legal im eigenen Land zu erstehen, als Produkte aus anderen Ländern zu beziehen“, erklärt Wolfgang Wilhelm, Obmann der AHW, den Salzburger Nachrichten.

    Dabei sei es für die Betroffenen wichtig, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, betont Wilhelm. Denn das diagnostische Fenster, also die Zeit zwischen einer HIV-Infektion und dem Nachweis des Virus im Blut, liegt bei den Heimtests bei zwölf Wochen. Das ist doppelt so lange wie bei einem HIV-Test beim Arzt oder einer der österreichischen Aids-Hilfen.

    Deshalb ist der HIV-Heimtest auch nicht für Spontanaktionen geeignet: „Ist es wirklich der richtige Moment, den Test zu machen, wenn man gerade betrunken mit einem möglichen Sexpartner von der Disco nach Hause kommt? Und dann besagt der Selbsttest, dass man HIV positiv ist?“, so Wolfgang Wilhelm.

    Auf dem Beipacktext ist die Hotline der Aids-Hilfe Wien für Fragen zum Ergebnis angegeben

    Mit dem Ministerium sei deshalb vereinbart, dass die Aids Hilfe Wien als Ansprechpartner in der Gebrauchsinformation genannt wird, erklärt Wilhelm. Fragen will man über die Hotline beantworten. Prinzipiell gilt, dass das Ergebnis eines positiven HIV-Heimtests durch einen Test beim Arzt bestätigt werden muss.

    Es gibt auch die Möglichkeit, dass etwa durch eine andere Infektion ein falsches positives Ergebnis angezeigt wird. „Aber wenn nun jemand regelmäßig seinen Status in den Aidshilfen bestimmen lässt und zusätzlich die Selbsttests macht, ist das durchaus ein Konzept, das Sinn macht“, erklärt der Obmann der Aids Hilfe Wien.

    Ein wichtiges Hilfsmittel, um viele HIV-Infektionen früh erkennen und behandeln zu können

    Jeden Tag wird in Österreich mindestens eine neue HIV-Diagnose gestellt. Den österreichischen Aidshilfen zufolge stieg die Zahl der HIV-Neudiagnosen im Jahr 2017 auf 447, im Jahr zuvor waren es noch 428. In Österreich haben sich bisher bis zu 15.000 Menschen mit HIV infiziert. Etwa die Hälfte der Betroffenen lebt in Wien, zwei Drittel davon sind Männer.

    Bei einer frühen Diagnose und rechtzeitiger antiretroviraler Behandlung ist auch trotz der HIV-Infektion eine annähernd gleich hohe Lebenserwartung in guter Lebensqualität wie bei Nicht-Infizierten zu erwarten. „Und genau dieses Ziel könnte durch die Selbsttests erreicht werden. Dass 90 Prozent der HIV-Betroffenen ihren Status kennen und nicht unwissentlich andere mit dem Virus infizieren“, so der Obmann der Aids-Hilfe Wien.