Die US-Zentren für Seuchenbekämpfung und -prävention (CDC) haben am Freitag zahlreiche Webseiten mit Informationen zu HIV und LGBTI-spezifischer Gesundheitsversorgung entfernt. Damit folgt die Behörde einer Anordnung von Präsident Donald Trump, die sich gegen die Anerkennung von Geschlechtsidentitäten über das biologische Geschlecht hinaus richtet.
Laut einer Mitteilung auf der CDC-Website wird die Seite derzeit „modifiziert, um den Exekutivanordnungen von Präsident Trump zu entsprechen“. Gelöscht wurden unter anderem Informationen zu HIV-Risikogruppen, gesundheitlichen Ungleichheiten und spezielle Daten für Transgender-Personen sowie schwule und bisexuelle Männer. Auch Seiten zur Suizidprävention bei LGBTI-Jugendlichen und zur Lebensmittelsicherheit für Schwangere wurden entfernt.
Regierung verschärft Kurs gegen „Gender-Ideologie“
Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden politischen Neuausrichtung der US-Regierung. Trump hatte kurz nach seinem Amtsantritt per Dekret angeordnet, dass Bundesbehörden nur noch zwei Geschlechter anerkennen und alle Programme zur Förderung von Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration abschaffen müssen.
Ein internes Memo der Gesundheitsbehörde forderte die Mitarbeiter auf, bis Freitag alle Inhalte zu entfernen, die „Gender-Ideologie“ fördern oder widerspiegeln. Der Begriff wird von queeren Organisationen wie GLAAD als „rhetorisches Konstrukt“ kritisiert, das die Existenz von Angehörigen sexueller Minderheiten als Ideologie statt als Identität darstellt.
Ein CDC-Mitarbeiter erklärte gegenüber NBC News, dass die Behörde unter Zeitdruck zahlreiche HIV-bezogene Inhalte löschte – auch solche, die nichts mit Geschlecht oder Identität zu tun hatten.
Fachleute warnen vor „gefährlicher Lücke“
Die Löschungen rufen heftige Kritik von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten hervor. Die Infectious Diseases Society of America und die HIV Medicine Association warnten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass das Verschwinden der Daten „eine gefährliche Lücke“ in der medizinischen Forschung und Krankheitsbekämpfung hinterlässt.
Besonders problematisch sei, dass Seiten mit wichtigen Informationen zu HIV-Tests und Behandlungsrichtlinien für Ärzte nicht mehr abrufbar seien. Laut dem Internet Archive war mindestens eine solche Seite am Freitag offline. „Dies ist sehr alarmierend“, sagte John Peller, Leiter der AIDS Foundation Chicago.
Widerstand innerhalb der Behörden
Nicht alle Behörden scheinen bereit, die Anordnungen widerspruchslos umzusetzen. Beim National Institute of Health (NIH) forderte ein hochrangiger Mitarbeiter seine Kollegen per E-Mail auf, Widerstand zu leisten. Nate Brought, Direktor des NIH-Exekutivbüros, argumentierte, dass Trumps Vorgaben im Widerspruch zu jahrelanger Forschung über Sexualität und Geschlecht stünden.
„Wenn wir diese Anordnungen befolgen, verunglimpfen wir nicht nur die Beiträge unserer trans- und intersexuellen Mitarbeiter, sondern setzen auch Zehntausende von Amerikanern einem erhöhten Risiko für psychische Gesundheitskrisen oder Schlimmerem aus“, schrieb Brought.
Ob und in welcher Form die CDC die gelöschten Informationen in Zukunft wieder online stellt, bleibt unklar.

